Für Online-Shops ist die Lage besonders klar: Wer Produkte online an Verbraucher verkauft, ist vom BFSG betroffen, ohne Ausnahme. Die Kleinstunternehmen-Ausnahme gilt nur für reine Dienstleistungen, nicht für den Verkauf von Waren. Ein Shop mit zwei Mitarbeitern muss die Anforderungen also genauso erfüllen wie ein großer Händler.
Die kritischen Stellen im Shop
Ein Kauf ist eine Kette aus vielen Schritten. Bricht ein Glied für einen Nutzer, ist der ganze Kauf unmöglich. Diese Stellen sind erfahrungsgemäß am kritischsten:
- Produktbilder: ohne Alternativtext bleibt Screenreader-Nutzern unklar, was sie kaufen.
- Filter und Varianten: Auswahl von Größe oder Farbe muss per Tastatur bedienbar und für Screenreader verständlich sein.
- Warenkorb: Mengenänderung und Entfernen müssen klar beschriftet und erreichbar sein.
- Checkout und Formulare: jedes Feld braucht ein Label, Fehlermeldungen müssen verständlich und zugänglich sein.
- Zahlungsauswahl: Radio-Buttons und Bestätigungen müssen per Tastatur nutzbar sein.
Besonders wichtig: der Checkout
Der Bezahlvorgang ist der sensibelste Teil. Fehlerhafte Formular-Beschriftungen, unklare Pflichtfeld-Markierungen oder Fehlermeldungen, die nur farblich signalisiert werden, führen genau dort zu Kaufabbrüchen, wo es am meisten kostet. Barrierefreiheit im Checkout ist damit nicht nur Pflicht, sondern zahlt direkt auf deinen Umsatz ein.
Gängige Shop-Systeme
Ob Shopify, WooCommerce, Shopware oder eine Eigenlösung: Kein System ist von Haus aus garantiert barrierefrei. Themes und Plugins entscheiden. Bei WooCommerce gilt zusätzlich, was im Ratgeber BFSG für WordPress steht, da es auf WordPress aufsetzt.
Deinen Shop prüfen
Der BFSG-Check scannt bis zu 15 Seiten deines Shops, also nicht nur die Startseite, sondern auch Kategorie- und Produktseiten, und zeigt pro Barriere eine konkrete Lösung. So siehst du sofort, ob dein Checkout und deine Produktseiten die kritischen Kriterien erfüllen. Ein Beispiel für den Bericht findest du im Beispielreport.
Zur Einordnung: Ein automatischer Scan erkennt rund 30 bis 40 Prozent der Barrieren. Für den vollständigen Nachweis gehört eine manuelle Prüfung dazu.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Für eine verbindliche Einschätzung deiner konkreten Situation wende dich an einen Rechtsanwalt.
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